DAS ENDE DES BARGELDES?

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DAS ENDE DES BARGELDES?

In der Fachpresse wird immer wieder das Ende von Bargeld vorausgesagt. Wie steht es damit in Deutschland?

Tatsache ist, dass der Anteil von Bargeld im stationären Handel immer noch bei 75% liegt. Die Berichte in der Presse, wonach im letzten Jahr in diesem Bereich erstmals mehr Umsatz bargeldlos erfolgte als mit Bargeld, beziehen sich auf das Umsatzvolumen und nicht auf die Anzahl der Käufe. Der Anteil von unbarem Zahlungsmittel steigt aber mit steigenden Beträgen an.

In Teilbereichen liegt das Interesse des Verkäufers, auf Bargeld zu verzichten, deutlich höher. Hierzu gehört die betriebliche Verpflegung in der Gemeinschaftsverpflegung und im Vending Bereich.

Vor allem in der Gemeinschaftsverpflegung werden bargeldlose Zahlungsmittel sehr häufig verwendet. Anders als im Handel werden hier jedoch meistens geschlossene Zahlungssysteme (closed Loop) eingesetzt, also Zahlungsmittel, welche auf den Betrieb begrenzt sind. Dies bedeutet eine Menge Aufwand für den Händler/Betreiber, da er die Infrastruktur für diese Systeme bereitstellen muss. Sehr häufig werden hier Systeme verwendet, welche vor dem Zahlvorgang aufgewertet werden müssen (Prepaid Karten). Für die Kunden ist dies meistens unbequem.

Das Zahlen mit kotaktlosen Karten ist hier, im Gegensatz zu den öffentlichen Zahlungsmitteln, bereits seit vielen Jahren Standard.


Können wir in diesem Bereich in naher Zukunft auf diese geschlossenen Systeme verzichten?

Ich denke nein!

Zwar sind die Möglichkeiten und die Geschwindigkeit der kontaktlosen Bezahlverfahren, was den Komfort und die Geschwindigkeit angehen, schon sehr konkurrenzfähig, bei den Kosten ist jedoch eine differenziertere Betrachtung erforderlich.


Welche Alternativen sind aktuell wirtschaftlich?

Neben den Kosten für die Infrastruktur muss auch die Höhe der einzelnen Zahlbeträge betrachtet werden.

Die Infrastruktur besteht zum einen aus den Zahlterminals, zum anderen aus den Kosten für die Aufwertung von Prepaidkarten und gegebenenfalls diesen Karten.

Der Punkt ist, wie kommt das Guthaben auf die Karte? Meistens durch Aufwerten an speziellen Aufwertern. In sehr vielen Fällen durch Eingabe von Bargeld. In einigen Fällen durch Giro- oder Kreditkarten und in seltenen Fällen durch Aufwerten gegen Lohn- und Gehaltsabrechnung. In einigen Systemen ist auch die Aufwertung über ein Online-Portal gegen Überweisung, Lastschrift oder Kreditkarten möglich. Es wird sozusagen Guthaben gekauft.

Bei all diesen Wegen werden die Beträge, welche bezahlt werden, deutlich höher sein als die zu kaufenden Leistungen.

Dies reduziert die Kosten für den Zahlungsverkehr, sonst aber nicht viel.

Werden Aufwerter mit Bargeldakzeptanz eingesetzt, hat man in Wirklichkeit das Bargeld dann nur in einer Sammelbox. Warum dann nicht direkt an der Kasse mit öffentlichen Karten zahlen? Hier lässt sich noch recht einfach eine Antwort finden.

Doch wie sieht es aus, wenn viele Kaffeemaschinen, Kalt- und Warmgetränkeautomaten und Shopper im Betrieb genutzt werden? Hier können die Gebühren schnell den eigentlichen Abgabepreis erreichen. Es ist also unwirtschaftlich.

Hier könnte zwar die Girogo Karte der Deutschen Kreditwirtschaft helfen, die Karte ist jedoch (noch) nicht weit verbreitet. Wenn man de Kosten einer eigenen Prepaid Lösung dagegenstellt, dann ist das bei den geringen Gebühren sehr attraktiv, vor allem bei kleinen Beträgen… Dies haben einige Stadionbetreiber bereits erkannt und setzen auf diese Karte.

Was aber tun, wenn das nicht möglich ist, zum Beispiel, wenn man keinen Sponsor in der Bankenwelt findet oder Preisdifferenzierungen für bestimmte Kundengruppen nutzt?

In solchen Fällen wird man derzeit nicht um eine eigene Lösung herumkommen. Hier helfen nur Kundenkarten mit einer Zahlfunktion weiter.

Es muss die Frage geklärt werden, ob diese Preisdifferenzierungen alle sein müssen.

Soweit dies der Fall ist, ist man derzeit auf eine geschlossene Lösung angewiesen. Hier sollten die Kosten für die Prozesse optimiert werden.

Sollte der Durchschnitt der Verkaufspreise jenseits von 2,50€ liegen und die Anzahl der Umsätze an Verkaufsautomaten und Kaffeemaschinen nicht allzu groß sein, kann sich für kleinere Betriebe der Einsatz von öffentlichen kontaktlosen Zahlungsmitteln jedoch bereits heute lohnen.

Zumindest in diesem Teilbereich ist das Ende des Bargeldes in greifbarer Nähe.