Expertengespräch

Krisenmanagement

11.07.2018 bei Kimberly Clark in Koblenz

Nicht leugnen, sondern lernen

KOBLENZ. Das Krisen-Management für mittelständische Betriebe im Foodservice war Thema eines gut besuchten Expertengesprächs bei Kimberly-Clark Professional in Koblenz. Gastgeber und Veranstalter waren die Erfa Foodservice von Michael Möhring und der global aufgestellte Hygienespezialist.

Mit breitgefächertem Expertenwissen rückten die Teilnehmer und Referenten der Krise zu Leibe. Unters Mikroskop gelegt, mit Paragraphen bestimmt und mit Strategie- und Kommunikationsplänen gebändigt - von allen Seiten beleuchteten die Fachleute einen ganzen Tag lang den Krisen-Fall der Fälle. Dabei servierten sie den aufmerksamen Zuhörern nicht nur theoretischen Hintergrund, sondern auch viele Beispiele aus der Praxis - gelungene und weniger glimpflich abgelaufene.

Fakt ist: Krisen, größere Warenrückrufe oder andere Situationen können für ein Unternehmen schnell Existenz bedrohend werden. Häufig sind die Reaktionen und vor allem die Kommunikation unüberlegt, voreilig oder unvollständig. Dies kann bis zur Insolvenz eines Unternehmens führen. Aktives Risikomanagement kann helfen, die Probleme zu überwinden. Welches Rüstzeug dazugehört, vermittelten Armin Wenge, Geschäftsführer delphi Lebensmittelsicherheit GmbH und Präsident des BVLK-Hygieneforum; Dr. Markus Grube, Fachanwalt für Gewerblichen Rechtsschutz; Andrea Wohlfart, Journalistin und Oecotrophologin; Dr. Hans-Georg Leusch, Geschäftsführung Eurofins INLAB GmbH Institut für Lebensmittelmikrobiologie, Analytik, Betriebs- und Umwelthygiene; Dr. Elke Liesen, Qualitätssicherheitsbeauftragte bei LEHMANNs Gastronomie GmbH, sowie Lebensmittelkontrolleur Guido Friske.

Gelangen Mikroorganismen, Fremdkörper, Chemikalien oder Allergene ins Lebensmittel und damit ins Essen, ist der Krisenfall da. „Vertuschen hilft nicht, stattdessen offen und

transparent kommunizieren“ - auf diese Notwendigkeit haben alle Fachleute in ihren Vorträgen hingewiesen. Das Unternehmen muss sich in der akuten Notsituation auf einen vorhandenen Risikomanagementplan verlassen können. Stimmen die Verantwortlichkeiten? Sind die Telefonnummern und Ansprechpartner bei Partnern und Behörden aktuell? Existiert ein Krisenstab? Wer gehört dazu? Informationen, die auf ein Blatt Papier passen und das Überleben eines Betriebs retten können.

Am Beginn der Krise steht deren Analyse. Danach entscheidet es sich, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen und wie weit man dabei gehen muss. Die Erkenntnis am Ende des intensiven Tages: Schützen kann man sich nicht vor einer Krise. Dies hat der Fall der mit Noroviren verseuchten Erdbeeren aus China 2012 gezeigt. Aber man kann vorbereitet sein. Mit Hilfe größtmöglicher Hygiene im Betrieb und in den Betriebsabläufen, mit einer gewissenhaften Dokumentation, mit einer offenen Kommunikation und mit regelmäßigem Notfall-Training. Für die Teilnehmer des Expertengesprächs - vor allem Caterer und Kantinenbetreiber - haben sich vielfältige Impulse ergeben, sich mit dem Krisenmanagement noch intensiver zu befassen als bislang schon geschehen.

Die Räumlichkeiten bei Kimberly-Clark Professional waren bewusst gewählt. Der weltweit agierende Hygienespezialist gewährte sehr interessante Einblicke in die Herstellung von Hygienetüchern in seinem Koblenzer Werk und zeigte anschaulich, das den Händen in punkto Sauberkeit zurecht die größte Aufmerksamkeit gebührt.